Heute ist unser letzter Ausflugstag, morgen fahren wir nur noch
zurück nach Taschkent, von wo es am Sonntag Morgen zurück in die
kalte Heimat geht. Apropos, hier haben die Temperaturen auch
deutlich nachgelassen, tagsüber nur noch um die 24 Grad, ab
Nachmittags kommt Wind auf, der die Luft sofort abkühlt und ab 5
Uhr Abends, wenn die Sonne verschwindet ist das sitzen in der
Roof Top Bar auch kein Spaß mehr. Also sitzen wir abends im
Restaurant im Keller, aber auch hier ist der Service top!
Aber zurück zum heutigen Ausflug, wir fahren nach Shahrisabz, dem
Geburtsort des großen usbekischen Helden Amir Timur Lenk oder Tamerlan.
Timur Lenk (1328-1405) entstammte dem im 14. Jahrhundert in
Transoxanien eingewanderten türkisierten Mongolenstamm der
Barlas, sein Vater war ein kleiner Stammesfürst. Er wurde 1328
bei Kesh geboren, das im heutigen Sharisabz südlich von
Samarkand liegt. Timur ist ein Name aus der tschagataischen
Sprache und bedeutet „der Eiserne“. Aufgrund mehrerer
körperlicher Einschränkungen (Knie und Schulter), sowie einer
Verletzung an der Hand erhielt er den Beinahmen „Lang“ bzw.
„Lenk“ (persisch: „der Lahme, der Gelähmte“). Timur Lenk
wurde zu „Tamerlan“ verballhornt, und unter diesem Namen ist
Timur gemeinhin bekannt.
Timur machte im Dienst des
Tschagatai-Khans Tughluq Timur als ausgezeichneter Heerführer
Karriere. Der Lohn dafür war sein Geburtsort Kesh als Lehen.
1366 brachte er Samarqand in seinen Besitz. 1369 eroberte er
Balkh. Am 8.4.1369 wurde er auf dem Kuriltai in Balkh zum Amir
von Transoxanien ausgerufen. Am 9.4.1370 war er an einem
nächsten Etappenziel angelangt: Alle Amire der südlichen Ulu
Tschagatai leisteten ihm den Treueid. Hauptstadt wurde
Samarkand.
Selbst wurde Timur nie ein Khan. Zur Legitimation
seiner Herrschaft heiratete er in das Haus Tschagatais ein (das
ist immerhin die Sippe Dschingis Khans) Wenn schon nicht Khan,
beanspruchte er den Titel „Amir“, Anführer. 1388 nimmt Timur den
Titel „Sultan“ an.
( übernommen von
Timur Lenk, Tamerlan, Geschichte von Usbekistan )
Raus aus Samerkand ist noch eher unspektakulär, aber nach
etwa 45 Minuten erreichen wir die Bergkette, die man von
Samarkand aus immer nur im Nebel sieht.
Es handelt sich hier um das Hissargebirges, das Teil der Serafschan
Kette ist, die sich hier zwischen Usbekistan und Tadschikistan
erstreckt.
Erster Stop ist ein eigenartig geformter Stein. Hier wurde
1973 ein DEFA (die staatliche DDR Filmgesellschaft) Film
gedreht, mit dem hauptamtlichen, volkseigenen Staatsindianer
Gojko Mitic. Sowohl Kamila als auch Anastasia haben uns davon
freudestrahlend berichtet, jeder hier kennt die Story
anscheinend. Ich kenn zwar den jugoslawischen Indianer aus
meiner Kindheit, aber den Film nicht… man ist allgemein
geschockt
ob meiner entsetzlichen Ungebildetheit.
Danach geht die Fahrt weiter hinauf in die Berge. Zunächst wirkt
alles staubig, sandig, steinig, aber nach etlichen Kilometern
sind plötzlich erstaunlich viele Sträucher und Bäume zu sehen.
Aber bald schon wird‘s dann wieder felsig und rauh. Wir
erreichen in einer Höhe von 1600 Metern den Kitab Pass, über den
auch schon Alexander der Große galoppiert ist. Kurz danach
stoppen wir wieder für einige Minuten, um das atemberaubende Panorama
aufzunehmen.
Die Fahrt dauert danach noch etwa 45 Minuten, dann erreichen wir
die Altstadt von Shahrisabz. Dort werden wir wieder erwartet,
die Dame dürfte das Pensionsalter auch schon erreicht haben. Wir
stellen uns kurz vor, sie kürzt ihren Namen sofort zu „Shaki“
ab.
Der Name der Stadt Sharisabz kommt aus dem persischen und
kann mit "Grüne Stadt" übersetzt werden, im Vergleich zum
felsigen, wüstenartigen Umland hat das sehr wohl seine
Berechtigung. Der ursprüngliche Name der Stadt war Kesh, sie
wurde etwa im 3. Jahrhundert v.Chr. gegründet.
Im Gegensatz zu Samarkand oder Buchara sind die Gebäude hier
nicht restauriert, sondern stehen im meist originalen Zustand
hier rum, sind also zumeist nurmehr Ruinen.
Sharisabz war, als Geburtsort des
usbekischen Nationalhelden fast so etwas wie ein Wallfahrtsort,
bis zur Corona Pandemie. Damals brach der Touristenstrom
vollständig zusammen und hat sich trotz der inzwischen
fertiggestellten Bahnanbindung nicht wieder erholt. (Mit
Ausnahme der Tagestouristen, so wie wir.) Shaki zeigt
uns etliche Häuser, bzw. eine Art Bungalows, die als Hotelanlage
geplant, mittlerweile aber an die Einwohner der Stadt vermietet worden sind.
Öffentliche Gebäude sind geschlossen, bzw. zweckentfremdet, die
Markthalle ist, sehr zu unserem Leidwesen auch zu. Was immer noch bestens besucht ist, ist
die Moschee, in diesem Falle die Kok Gumbaz Moschee.
Wir genießen den Spaziergang im Sonnenschein, obwohl es hier auf
650 Meter Höhe nicht sehr warm ist. Shaki ist redlich bemüht,
uns Geschichten über Amir Timur oder Sharisabz zu erzählen, aber
irgendwie haben wir vieles davon schon in den letzten Tagen
gehört und so kommen wir immer wieder auf die alltäglichen
Probleme der Leute zu sprechen. Kamila ist meist sehr still, sie
hat es geschafft, die gesamte Fahrt hierher im Auto zu
verschlafen, selbiges wird sie auch auf der Rückfahrt wieder
tun. Irgendwie wäre ja die Erwartung an einem Guide eine Andere,
aber anscheinend sind wir da zu anspruchsvoll.
Wir halten auf der Rückfahrt noch für einem späten Lunch, dann
genießen wir wieder den Ausblick über die Berge.
Zurück im Hotel in Samarkand laufen wir noch ein paar Schritte
durch die Gassen zum Abendessen. Dabei bewundern wir eine der
Perlen der russichen Automobilkunst und natürlich die nächtlich
beleuchteten Bauwerke Samarkands.