Shahrisabz

Geburtsstadt
Amir Timurs

03. Oktober 2025



Heute ist unser letzter Ausflugstag, morgen fahren wir nur noch zurück nach Taschkent, von wo es am Sonntag Morgen zurück in die kalte Heimat geht. Apropos, hier haben die Temperaturen auch deutlich nachgelassen, tagsüber nur noch um die 24 Grad, ab Nachmittags kommt Wind auf, der die Luft sofort abkühlt und ab 5 Uhr Abends, wenn die Sonne verschwindet ist das sitzen in der Roof Top Bar auch kein Spaß mehr. Also sitzen wir abends im Restaurant im Keller, aber auch hier ist der Service top!

Aber zurück zum heutigen Ausflug, wir fahren nach Shahrisabz, dem Geburtsort des großen usbekischen Helden Amir Timur Lenk oder Tamerlan.
Timur Lenk (1328-1405) entstammte dem im 14. Jahrhundert in Transoxanien eingewanderten türkisierten Mongolenstamm der Barlas, sein Vater war ein kleiner Stammesfürst. Er wurde 1328 bei Kesh geboren, das im heutigen Sharisabz südlich von Samarkand liegt. Timur ist ein Name aus der tschagataischen Sprache und bedeutet „der Eiserne“. Aufgrund mehrerer körperlicher Einschränkungen (Knie und Schulter), sowie einer Verletzung an der Hand erhielt er den Beinahmen „Lang“ bzw. „Lenk“ (persisch: „der Lahme, der Gelähmte“). Timur Lenk wurde zu „Tamerlan“ verballhornt, und unter diesem Namen ist Timur gemeinhin bekannt.
Timur machte im Dienst des Tschagatai-Khans Tughluq Timur als ausgezeichneter Heerführer Karriere. Der Lohn dafür war sein Geburtsort Kesh als Lehen. 1366 brachte er Samarqand in seinen Besitz. 1369 eroberte er Balkh. Am 8.4.1369 wurde er auf dem Kuriltai in Balkh zum Amir von Transoxanien ausgerufen. Am 9.4.1370 war er an einem nächsten Etappenziel angelangt: Alle Amire der südlichen Ulu Tschagatai leisteten ihm den Treueid. Hauptstadt wurde Samarkand.
Selbst wurde Timur nie ein Khan. Zur Legitimation seiner Herrschaft heiratete er in das Haus Tschagatais ein (das ist immerhin die Sippe Dschingis Khans) Wenn schon nicht Khan, beanspruchte er den Titel „Amir“, Anführer. 1388 nimmt Timur den Titel „Sultan“ an.
( übernommen von Timur Lenk, Tamerlan, Geschichte von Usbekistan )

Raus aus Samerkand ist noch eher unspektakulär, aber nach etwa 45 Minuten erreichen wir die Bergkette, die man von Samarkand aus immer nur im Nebel sieht. Es handelt sich hier um das Hissargebirges, das Teil der Serafschan Kette ist, die sich hier zwischen Usbekistan und Tadschikistan erstreckt.

Auf dem Weg ins Hissargebirge Auf dem Weg ins Hissargebirge Auf dem Weg ins Hissargebirge Auf dem Weg ins Hissargebirge

Erster Stop ist ein eigenartig geformter Stein. Hier wurde 1973 ein DEFA (die staatliche DDR Filmgesellschaft) Film gedreht, mit dem hauptamtlichen, volkseigenen Staatsindianer Gojko Mitic. Sowohl Kamila als auch Anastasia haben uns davon freudestrahlend berichtet, jeder hier kennt die Story anscheinend. Ich kenn zwar den jugoslawischen Indianer aus meiner Kindheit, aber den Film nicht… man ist allgemein geschockt ob meiner entsetzlichen Ungebildetheit.

Legendäre Gegend (für den, der`s kennt) Legendäre Gegend (für den, der`s kennt) Legendäre Gegend (für den, der`s kennt) Wilde Bergwelt - Hissargebirge

Danach geht die Fahrt weiter hinauf in die Berge. Zunächst wirkt alles staubig, sandig, steinig, aber nach etlichen Kilometern sind plötzlich erstaunlich viele Sträucher und Bäume zu sehen.

Wilde Bergwelt - Hissargebirge Wilde Bergwelt - Hissargebirge Wilde Bergwelt - Hissargebirge Wilde Bergwelt - Hissargebirge

Aber bald schon wird‘s dann wieder felsig und rauh. Wir erreichen in einer Höhe von 1600 Metern den Kitab Pass, über den auch schon Alexander der Große galoppiert ist. Kurz danach stoppen wir wieder für einige Minuten, um das atemberaubende Panorama aufzunehmen.

Wilde Bergwelt - Hissargebirge Wilde Bergwelt - Hissargebirge Wilde Bergwelt - Hissargebirge - Kitab Pass Wilde Bergwelt - Hissargebirge - Kitab Pass Hissargebirge - Blick in die Hochebene von Shahrisabz Wilde Bergwelt - Hissargebirge - Kitab Pass Hissargebirge - Blick in die Hochebene von Shahrisabz Hissargebirge - Blick in die Hochebene von Shahrisabz Hissargebirge - Blick in die Hochebene von Shahrisabz

Die Fahrt dauert danach noch etwa 45 Minuten, dann erreichen wir die Altstadt von Shahrisabz. Dort werden wir wieder erwartet, die Dame dürfte das Pensionsalter auch schon erreicht haben. Wir stellen uns kurz vor, sie kürzt ihren Namen sofort zu „Shaki“ ab.
Der Name der Stadt Sharisabz kommt aus dem persischen und kann mit "Grüne Stadt" übersetzt werden, im Vergleich zum felsigen, wüstenartigen Umland hat das sehr wohl seine Berechtigung. Der ursprüngliche Name der Stadt war Kesh, sie wurde etwa im 3. Jahrhundert v.Chr. gegründet.

Stadtmauer von Shahrisabz Überreste des Ak-Saray ("Weißer Palast") Überreste des Ak-Saray ("Weißer Palast") Amir Timur, der berühmte Sohn von Shahrisabz Überreste des Ak-Saray ("Weißer Palast") Überreste des Ak-Saray ("Weißer Palast")

Im Gegensatz zu Samarkand oder Buchara sind die Gebäude hier nicht restauriert, sondern stehen im meist originalen Zustand hier rum, sind also zumeist nurmehr Ruinen.
Sharisabz war, als Geburtsort des usbekischen Nationalhelden fast so etwas wie ein Wallfahrtsort, bis zur Corona Pandemie. Damals brach der Touristenstrom vollständig zusammen und hat sich trotz der inzwischen fertiggestellten Bahnanbindung nicht wieder erholt. (Mit Ausnahme der Tagestouristen, so wie wir.) Shaki zeigt uns etliche Häuser, bzw. eine Art Bungalows, die als Hotelanlage geplant, mittlerweile aber an die Einwohner der Stadt vermietet worden sind. Öffentliche Gebäude sind geschlossen, bzw. zweckentfremdet, die Markthalle ist, sehr zu unserem Leidwesen auch zu. Was immer noch bestens besucht ist, ist die Moschee, in diesem Falle die Kok Gumbaz Moschee.

Kok Gumbaz Moschee Kok Gumbaz Moschee Kok Gumbaz Moschee Kok Gumbaz Moschee Kok Gumbaz Moschee Kok Gumbaz Moschee Kok Gumbaz Moschee Kok Gumbaz Moschee Kok Gumbaz Moschee Kok Gumbaz Moschee Kok Gumbaz Moschee Kok Gumbaz Moschee Kok Gumbaz Moschee Kok Gumbaz Moschee Spaziergang im Sonnenschein von Shahrisabz

Wir genießen den Spaziergang im Sonnenschein, obwohl es hier auf 650 Meter Höhe nicht sehr warm ist. Shaki ist redlich bemüht, uns Geschichten über Amir Timur oder Sharisabz zu erzählen, aber irgendwie haben wir vieles davon schon in den letzten Tagen gehört und so kommen wir immer wieder auf die alltäglichen Probleme der Leute zu sprechen. Kamila ist meist sehr still, sie hat es geschafft, die gesamte Fahrt hierher im Auto zu verschlafen, selbiges wird sie auch auf der Rückfahrt wieder tun. Irgendwie wäre ja die Erwartung an einem Guide eine Andere, aber anscheinend sind wir da zu anspruchsvoll.
Wir halten auf der Rückfahrt noch für einem späten Lunch, dann genießen wir wieder den Ausblick über die Berge.

Wilde Bergwelt - Hissargebirge Wilde Bergwelt - Hissargebirge Zurück nach Samarkand Zurück nach Samarkand Wilde Bergwelt - Hissargebirge Wilde Bergwelt - Hissargebirge Wilde Bergwelt - Hissargebirge Wilde Bergwelt - Hissargebirge

Zurück im Hotel in Samarkand laufen wir noch ein paar Schritte durch die Gassen zum Abendessen. Dabei bewundern wir eine der Perlen der russichen Automobilkunst und natürlich die nächtlich beleuchteten Bauwerke Samarkands.

Wolga GAZ-21 (wurde von 1956 - 1968 in der UdSSR gebaut) Samarkand bei Nacht Samarkand bei Nacht