Nukus -
auf nach Norden

25. September 2025


Wir stehen pünktlich 4:45 Uhr vor unserem Hotel, Zamir kommt wenige Minuten später und auch der Fahrer taucht gleich auf. Es geht zum Flughafen, auf der Straße ist noch gar nichts los, also sind wir rechtzeitig beim Check in und einen Kaffee gibt`s auch noch..
Alles läuft reibungslos und wir heben auf die Minute genau ab. Vom Flugzeug aus sehen wir den wahren Charakter des Landes, eigentlich eine riesige Wüste. Mit wenigen Oasen, die heute die Großstädte darstellen und viel fruchtbarem Land entlang der beiden Flüsse Syrdarja und Amudarja, dessen Verlauf wir während des Fluges verfolgen können.

Auf dem Weg nach Nukus Auf dem Weg nach Nukus Auf dem Weg nach Nukus Auf dem Weg nach Nukus Auf dem Weg nach Nukus Nukus International Airport

Nukus ist die Hauptstadt der autonomen Republik Karakalpak . Es gehört zwar politisch zu Usbekistan, sie haben aber ein eigenes Parlament und einen privaten Oberhäuptling. Sie sprechen einen Akzent, der dem Kasachischen näher ist, als der usbekischen Sprache. Ich kann das zwar nicht raushören, aber ich kann googeln (im Hotel mit WiFi). Das kann nicht jeder in unserer kleinen Reisegruppe.

In Nukus, unserem Ziel, werden wir wie immer abgeholt. Die Logistik ist perfekt organisiert.
Wir fahren zum Karakalpak State Museum of Art, einer Kunstsammlung von Igor Savitsky.

The World of Igor Savitsky Igor Savitsky Igor Savitsky The World of Igor Savitsky The World of Igor Savitsky The World of Igor Savitsky

Savitsky wurde 1915 in Kiew geboren, nicht unbedingt in ärmlichen Verhältnissen. Er reiste viel und besuchte 1950 zum ersten Mal Karakalpakstan um an einer ärchäologischen Expedition teilzunehmen. Anscheinend gefiel es ihm dort, jedenfalls verlegte er seinen Wohnsitz daraufhin nach Nukus, der Hauptstadt von Karakalpakstan, wo er begann Kunst zu sammeln. Savitsky hatte offenbar ein Talent den Leuten alles abzuschwatzen, so kam er zu seinem eigenen Museum, dessen Kurator er wurde. In der Folge konzentrierte er sich mehr und mehr auf Werke russischer Avantgardisten, deren Bilder im Sozialismus der Stalinzeit nicht unbedingt en vogue waren. So gesehen hat er wahrscheinlich viele Bilder vor der Zerstörung bewahrt, weil auf die kleine Stadt in der asiatischen Wüste keiner der Meister aus Moskau ein Auge hatte.

The World of Igor Savitsky The World of Igor Savitsky The World of Igor Savitsky The World of Igor Savitsky The World of Igor Savitsky

Die aktuelle Ausstellung heißt „Usbekistan: Avant-Garde in the Desert“ und wird uns präsentiert von einem jungen Mädel in perfektem Englisch. Mein Geschmack sind viele der Bilder nicht, aber interessant ist es auf jeden Fall. Wir lernen eine ganze Menge, nicht nur über die Künstler, auch über die Geschichte Usbekistans in Sowjetzeiten. Und wiederum ein bisschen was, wie die Leute hier auf die Sowjetunion geblickt haben. Auch, wenn das Mädel viel zu jung ist, um aus eigener Erfahrung zu sprechen, erstaunt doch die Sichtweise manches Mal.
Wir nehmen noch einen kleinen Lunch und verlassen dann Nukus bereits wieder.

Nukus - Stadt in der Wüste Die Wüste Kyzylkum Highway durch die Wüste Kyzylkum Die Wüste Kyzylkum Amurdarja - Lebensader einer Region Entlang des Amurdarja Töff-töff kaputt Highway durch die Wüste Kyzylkum Die Flagge Usbekistans vor jedem Hotel

Wir fahren nun quer durch die Kyzylkum Wüste nach Chiwa. Also eigentlich sollte die gesamte Strecke durch die Wüste gehen, aber nach etwa einer Stunde überqueren wir den Amurdarja und fahren fortan auf schrecklichsten Landstraßen durch nichtssagende Dörfer. Keine Ahnung, ob das wieder eine von Zamirs zündenden Ideen war, oder ob der Fahrer wieder schuld war, es hat keinen Sinn mit ihm darüber noch zu reden. Kurz vor Urgench versucht er uns etwas zu erklären, wir können seinem hilflosen Gestammel keinen Sinn entnehmen. Das Geld für sein Deutschstudium war auf jeden Fall nicht gut angelegt. In Urgench angekommen, wird klar, was er uns erzählen wollte. Wir halten an einer sehr lauten, sehr staubigen Baustelle an und er gedenkt uns hier zu verlassen. Er hatte uns mehrfach erzählt, dass er uns bis zum Hotel in Chiwa begleiten wird und dort die Übergabe an die neue Reiseleiterin stattfindet. Es war wieder eine Lüge, der Wechsel findet hier am Straßenrand statt. Nachdem wir 10 Minuten im Dreck gestanden sind, kommt Kamila, ein sehr junges Mädchen und gibt uns begeistert bekannt, dass sie die Neue wäre. Und weil`s mit Zamir als Neuling so blendend geklappt hat, erzählt sie uns gleich, dass wir auch erst ihr zweiter Auftrag wären. Irgendwie kommen wir uns vor, wie in einem schlechten Roadmovie.
Egal, er ist Geschichte, sie soll ihre Chance bekommen.
Wir fahren noch etwa 30 Minuten und landen dann in Chiwa. Der Kern der Stadt ist die historische Altstadt, die komplett von einer Sandsteinmauer umgeben ist. Unser Hotel ist direkt nebendran, wo wir kurz einchecken, um anschließend besagte Altstadt zu erkunden.

Hotel Erkin Palace in Chiwa Hotel Erkin Palace in Chiwa Hotel Erkin Palace in Chiwa Reisebegleiterund Ratgeber in jeder Situation Die Stadtmauer der Ichan Qalʼа Die Stadtmauer der Ichan Qalʼа

Bereits beim Abendessen mit Kamila wird ein entscheidender Unterschied zu ihrem Vorgänger ersichtlich. Sie hat die Reiseunterlagen gelesen. Sie weiß, was wir in den vergangenen Tagen gemacht haben (oder hätten machen sollen) und was für die nächsten Tage ansteht. Zumindest das sollte dann ab jetzt klappen und wird es auch.