Finale und Fazit
Nachdem uns nun doch das “Deutschlandwetter” hier an der Küste erreicht hat, beschließen wir zurück nach Stralsund zu fahren, von wo für Donnerstag
die Rückreise geplant war. Die Reise nach Stralsund verlief problemlos wieder mit der UBB und so waren wir bereits kurz vor eins wieder in Stralsund.
Wir hatten diesmal ein Hotel direkt in der Altstadt gewählt, das war eine gute Wahl. Ein anständiges Mittelklasse-Hotel, direkt in der Altstadt und
trotzdem sehr ruhig, da sich der Verkehr hier in Grenzen hält. Allerdings war unser Zimmer noch nicht fertig, wir waren einfach zu früh dran. So
verbummeln wir zunächst noch zwei Stunden in der wunderschönen Altstadt und am Hafen. Das wird auch unsere Hauptbeschäftigung bleiben bis zur Abfahrt,
durch die Gassen schlendern, Mal hier ein Glas Wein trinken, mal dort an einem Bierchen nippen, eine kleine Hafenrundfahrt rundet das Ganze dann
endgültig ab. Wir futtern uns außerdem noch durch die verschiedensten Restaurants und besuchen, sozusagen als krönenden Abschluss “eine der ältesten
Hafenkneipen Europas”. Eine sehr kultige Angelegenheit mit ziemlich illustrem Publikum.
Pünktlich um 9:36 Uhr fährt dann unser Zug in Stralsund ab und bringt und mit einer Zwischenübernachtung in meiner alten Heimatstadt (mit Besuch
bei meinen Eltern) wieder nach Hause. Nach der doch ziemlich anstrengenden Hinfahrt war die Rückreise, auch aufgrund der Splittung auf zwei Tage,
doch wesentlich entspannter. Hätten wir das wieder in einem Rutsch erledigt, wären wir zwar einen Tag eher, aber vermutlich vollkommen platt zu Hause
angekommen.
Was lässt sich mit dem Abstand von ein paar Tagen zu dieser Radl-Reise sagen? Erst mal natürlich, dass wir ein riesiges Glück mit dem Wetter hatten.
Während sich im übrigen Deutschland Wetterkatastrophen allerorts ereigneten, hatten wir über zwei Wochen keinen einzigen Regentag (mit Ausnahme einiger
ganz weniger Tropfen) und auch der Wind war nie ein richtiges Problem. Einige Etappen lang war es richtig sommerlich, fast schon heiß. Das war deswegen
ein kleines Problem, weil es an der Küste, wie schon erwähnt, seit vielen Wochen nicht geregnet hatte und somit bei steigenden Temperaturen Radl
fahren zur Staub-Schlacht wurde.
Der Ostseeküstenradweg selbst hinterlässt bei uns einen zweigeteilten Eindruck. Der Abschnitt von Flensburg bis Kiel hat durchaus einige schöne Stellen,
ein Großteil des Weges ist aber eher fad und führt fernab von der Küste an zum Teil dichtbefahrenen Straßen entlang. Es fehlen auch irgendwie die
Highlights, man könnte die Streckenführung ja akzeptieren, wenn man aller paar Kilometer mal einen sensationellen Ausblick auf`s Wasser oder ähnliches
hätte, das ist aber nur ganz zum Anfang an der Flensburger Förde der Fall. Später gab es Etappen, da hätten wir das Wasser den ganzen Tag nicht gesehen,
wenn wir nicht auf eigene Faust vom offiziellen Radweg abgebogen wären. Das Stück zwischen Kiel und Lübeck-Travemünde können wir nicht bewerten, das
haben wir aus o.g. Gründen ausgelassen. Ab Travemünde hatte der Radweg dann einen völlig anderen Charakter und gefiel uns hervorragend, da er immer
abseits von vielbefahrenen Straßen, durch die Dünen führte und immer mit Blick oder wenigstens in Hörweite des Wasser führte. Der Fahrbahnbelag war
extrem unterschiedlich, es war einfach alles dabei. Von der asphaltierten Rennpiste, über holperige Waldwege, von gepflasterten Wegen bis zur unfahrbaren
Sandpiste, wir haben alles gesehen und befahren, auch wenn wir manchmal unsere Räder ein paar Meter schieben mussten. Die Ausschilderung des Weges ist
eigentlich auf allen Abschnitten ausbaufähig, in Schleswig-Holstein war der Radweg durchgehend ausgeschildert, allerdings waren nahezu 90% dieser Schilder
vollkommen unleserlich. Die Metallschildchen waren mit Aufklebern versehen, deren vollkommen verblichene Reste nur aus allernächster Nähe zu erahnen waren.
Wir haben dann einfach die glattweißen oder dreckig-grauen Schilder als unsere Wegweiser akzeptiert. Der “Ostteil” des Radweges gliedert sich dann auch
noch mal in zwei Teile. In Mecklenburg (von Travemünde / Priwall bis Ahrenshoop) ist der Weg vorbildlich ausgeschildert, allerdings nicht mit dem
offiziellen blauen Schildchen sondern einfach als “Ostseefernradweg”. Diese Schilder sind aber groß und deutlich zu erkennen. In Vorpommern gibt es dann
überhaupt keine Hinweise auf den Ostseeküstenradweg mehr. Man muss sich an die, zugegebenermaßen sehr gute Ausschilderung der regionalen Radwege halten.
Das heißt, man sollte immer die Namen der nächsten zwei, drei Ortschaften wissen, die man zu queren hat. Hier ist also ein Navi oder eine konventionelle
Karte unabdingbar. Erst kurz vor Usedom tauchten die blauen Ostseeküstenradweg-Schildchen wieder mit einer akzeptablen Regelmäßigkeit auf, sei`s drum, wir
haben den Weg ja problemlos gefunden, unsere Abstecher ins Gemüse haben sich dieses Mal tatsächlich in Grenzen gehalten. Resümee: Den
Schleswig-Holstein-Part würden wir uns sparen, den Meck-Pomm-Part würden wir sofort wieder fahren, machen wir bestimmt auch, es fehlen ja durchaus
noch ein paar Kilometer, die wir noch nicht gesehen haben, z.B. Rügen. Also, bis bald an der Ostsee!