Wir hatten also noch 5 Tage Zeit bis zu unserer Heimreise, das bedeutet wir müssen uns entscheiden, Rügen oder Usedom, beides geht nicht mehr.
Die Entscheidung fällt sehr schnell und eindeutig, Usedom soll es sein mit seinen mondänen Seebädern und den vielen Bauten aus der Gründerzeit.
Der Weg bis dahin wäre in zwei bis drei Etappen zu schaffen, dann blieben immer noch zwei Tage zum bummeln und rumhängen. Allerdings kommt uns
jetzt das Wetter in die Quere, hatten wir bis jetzt einfach riesiges Glück mit dem Wetter, schlägt es jetzt wohl um. Laut Wetterbericht bleiben
uns noch zwei Tage, bis der Wind seine Richtung drehen wird und dann vom Land bzw. aus Süd-West kommen wird. Das wird bedeuten, dass die Regen-
und Unwetterlage auch den äußersten Nord-Osten, also uns erreichen wird. Deshalb beschließen wir mit der Bahn nach Usedom zu reisen und dort
von einem festen Punkt aus ein paar Unternehmungen zu starten. Wir fahren also mit der Usedomer Bäder Bahn, einer DB-Tochter von Stralsund nach
Wolgast, dem Eingang zur Insel. Hier verbindet eine monströse Klappbrücke das Festland mit der Halbinsel.
Obwohl wir bis zum Zielpunkt unserer Reise mit der Bahn fahren könnten, entscheiden wir uns ab hier wieder zu radeln, das Wetter ist
einfach zu schön und mit der Bahn wären wir auch zu früh da. Unser Ziel soll Zinnowitz sein. Eigentlich wollten wir die nächsten Tage ja in einem
der drei Kaiserbäder (Ahlbeck, Heringsdorf, Bansin) verbringen, aber hier stimmen uns Preis-Leistungs-Verhältnis der offerierten Zimmer doch gar
nicht mehr. Entweder wirklich richtig teuer oder weit außerhalb des jeweiligen Orts-Zentrums. So entscheiden wir uns für die Pension “Zum bunten
Hund” in Zinnowitz, die beides bietet. Von dort werden wir noch die verbleibenden Tage die Halbinsel erkunden.
Wir überqueren die gesamte Halbinsel noch zwei mal, zunächst am Sonntag mit dem Fahrrad. Von Zinnowitz nach Ahlbeck (kurz vor der polnischen
Grenze sind es knapp 27 Kilometer, somit ist dies heute mit fast 54 Kilometer die zweitlängste Etappe unserer diesjährigen Tour. Wir fahren die
Strecke ohne Gepäck und somit ohne zusätzliche Belastung, das ist auch gut so, der Weg ist nämlich streckenweise eine richtige Berg- und Tal – Tour.
Wie schon auf unserer gesamten Reise gibt es hier zwar kurze aber richtig knackige Anstiege auf wiederum sehr unterschiedlichem Belag. Trotzdem
genießen wir die Tour im nicht mehr ganz so strahlenden Sonnenschein, der Wetterwechsel kündigt sich mit vielen Schleierwolken an.
Der Montag Morgen präsentiert sich dann auch, wie erwartet grau. Noch regnet es nicht, aber wir packen mal die Regenjacken und den
Regenschirm ein. Wir fahren noch mal mit der UBB nach Ahlbeck und wollen heute durch die drei Kaiserbäder bummeln und abends von Bansin aus
wieder zurück fahren. Das tun wir auch, obwohl es bei unserer Ankunft in Ahlbeck ganz leicht nieselt. Es wird aber den ganzen Tag über nie
richtig regnen. Wir besuchen die Seebrücken in allen drei Seebädern, schlürfen Kaffee, essen Fisch-Snacks, schlendern von einem Krims-Krams-Laden
zum nächsten und bewundern vor allem die wunderschönen Villen und Hotels hier. Diese Gegend ist zum Glück vom Beton-Bau-Wahn, wie man ihn
anderenorts an Nord- und Ostsee sieht verschont geblieben. Mit Ausnahme ganz weniger Neubauten, die aber einigermaßen ins Gesamtbild eingefügt
wurden, ist hier der Stil der Bäderarchitektur erhalten geblieben.
Wir treffen noch ein paar seltsame Gestalten, erfahren, dass man Meeresvögel nicht aufessen sollte und stellen fest, das Public
Viewing im Nieselregen nicht angesagt ist. Trotzdem war das ein richtig schöner Tag, hier lässt es sich durchaus leben, allerdings glaube
ich fast, dass man die Hochsaison meiden sollte.