Frühmorgens raus aus den Federn, geduscht, gefrühstückt und rauf auf Radl. Noch vor neun sind wir auf dem Weg nach Alkmaar,
um 10:00 Uhr beginnt der berühmte Kaasmarkt.
Wir finden den Waagplein, wo das Spektakel stattfinden soll ohne Probleme und stellen um 20 Minuten vor 10 fest, dass
tausende andere die selbe Idee hatten wie wir. So ergattern wir zunächst nur einen Platz am Rande des Geschehens, zu sehen ist noch nichts,
außer 1000er aufgereihter Käse-Leiber auf einem riesigen freien Platz.
Es ist furchtbar eng und die vorherrschende Sprache ist ein Gemisch aus chinesisch (oder anders asiatisch) und sächsisch. Neben uns hat
sich nämlich eine Blase aus dem grün-weißen Freistaat aufgebaut und unterhält sich über die Köpfe hinweg entsprechend lautstark. Direkt neben mir
drängelt so ein Exemplar und nimmt mir mit ihrem Parfüm die Luft zum atmen und mit ihrer Leibesfülle den Platz zum Fotografieren. Ersteres ist
lebensbedrohlich, zweiteres nicht so schlimm, weil es im Moment noch nicht viel zu sehen gibt. Der Markt wird zwar mit einer Glocke pünktlich um
10 eingeläutet und von einer Moderatorin auch entsprechend eröffnet, aber es dreht sich im Moment alles nur um ein Kinder-Sportfest, was im Moment
in Alkmaar stattfindet, die World-Children-Games, wohl sowas wie eine Kinder-Olympiade. Ich hab noch nie davon gehört, aber es springen eine Menge
Offizielle auf dem Markt rum, die wollen alle begrüßt werden und das rückt den Käse in den Hintergrund. Wir sehen anschließend eine Menge
Jugendliche in Trainingsanzügen mit den Schriftzügen aus aller Herren Länder umherlaufen, das erklärt wohl auch, warum für uns kein Hotelzimmer
übrig war.
Irgendwann sind dann all die Krawattenträger begrüßt und das Treiben nimmt seinen Lauf. Das Mädel am Mikrofon kommt dann auch
irgendwann zur Sache und erzählt, um was es eigentlich geht. Es geht also nicht nur um die reine Show, es wird der Käse, der hier am Markt rumliegt
tatsächlich verkauft. Das funktioniert so, dass sich irgendwer ein paar solcher Träger organisiert, die schleppen die angeforderte Menge zum
Waagenhaus, eine richtige Uralt-Einrichtung, und nach Begutachtung und Gewichtsprüfung schleppen die Träger den ganzen Käse dann zu einem Wagen oder
einem Boot und er wird abtransportiert. Ich nehme an, normalerweise findet das unspektakulärer statt, aber alle Freitag ist halt hier dieser Rummel
um den Käse. Es handelt sich laut Aussage der Dame am Mikrofon um schlappe 23.000 Kilogramm, die hier und heute verhökert werden.
Es gab anschließend auch noch einiges mehr zu sehen in Alkmaar, die Stadt erinnert mit ihren Grachten ein bisschen an Amsterdam, nur ist
hier alles etwas weitläufiger, weniger gedrängt. Man hat halt mehr Platz zur Verfügung gehabt, während man in Amsterdam um jeden Meter Boden
gegen das Meer oder die Zee, wie der geneigte Dutchmen zu sagen pflegt, mit hohem Aufwand kämpfen muss.
Ein sehr schöner Tag, den wir nach der Rückfahrt in Bergen gemütlich ausklingen lassen.
Wenn uns das Wetter mitspielt, führt uns unsere Reise morgen ans Ijselmeer, voraussichtlich nach Enkhuizen. Möge der
holländische Wettergott, wie immer er heißen mag, mit uns sein.